Über die dunkelsten Ecken, die Taschenlampe – und warum Selbstliebe in Wahrheit kein Aufbauprojekt ist: Dein Guide für die Schattenarbeit.
Ich weiß nicht, wann ich begann zu denken, dass ich nicht gut genug wäre. Aber diese Idee bestimmte definitiv viele Jahre meiner Jugend und frühen 20er.
Ich erinnere mich aber noch sehr genau daran, wann es aufhörte – als ich den ersten echten Schritt in Richtung Selbstliebe machte.
Es war nicht der Moment, in dem ich anfing, netter zu mir zu reden. Kein Affirmations-Ritual, keine Selbstfürsorge-Routine, kein Buch, das mir sagte, ich solle einfach mal positiver denken.
Es war der Moment, in dem ich aufhörte wegzuschauen. Von dem, was da in den Untiefen meines Bewusstseins brodelte…
Es war nämlich so: Lange hatte ich eine stille, hartnäckige Überzeugung: Wenn ich wirklich hinschaue – in die Ecken, die ich jahrelang gemieden hatte – dann finde ich dort etwas, aus dem ich nie wieder herauskomme. Als wäre da ein Abgrund, der nur darauf wartet, dass ich unvorsichtig bin. Als wäre Hinschauen gleichbedeutend mit Hineinfallen. Ich dachte, wenn ich nicht aufpasse, werde ich verschlungen.
Aber irgendwie liebe ich ja auch die Herausforderung. Also schaute ich trotzdem hin.
Vorsichtig zuerst, dann länger. Ich starrte in die Dunkelheit – bis sie zurück starrte.
Was dann passierte, erzähle ich dir gleich. Aber zuerst müssen wir über Schatten reden.

Wer schreibt hier? Schattenarbeit & Selbstliebe-Expertin Angie Schulz
Wer schreibt hier eigentlich?
Hi, ich bin Angie. Neurobiologin, NLP & Hypnose-Lehrtrainerin und Coach für Selbstliebe und Selbstbewusstsein. Ich bin fasziniert davon, was unser Unterbewusstsein so alles veranstaltet, während wir glauben, völlig rational zu handeln. Ich glaube, dass die Themen, die uns am meisten belasten, oft dort liegen, wo wir selbst nicht so einfach hinschauen können. Deswegen zücken wir die Taschenlampe und leuchten gemeinsam in die dunklen Ecken und lösen alte Glaubenssätze und mistige Muster – wissenschaftlich fundiert, ohne Bullshit und mit ganz viel Selbstmitgefühl.

Schattenarbeit: Was Schatten sind und wo sie herkommen
Der Begriff Schattenarbeit stammt ursprünglich von Carl Gustav Jung, dem Schweizer Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie. Jung beschrieb den Schatten als jenen Teil der Persönlichkeit, den wir im Laufe unseres Lebens ins Unbewusste verdrängen – weil er scheinbar nicht passt. Nicht zur Familie, nicht zur Gesellschaft, nicht zu dem Bild, das wir von uns selbst haben wollen.
Für mich ist Schattenarbeit in Überbegriff für das aktive Hinsehen – dem Begegnen von dem, was wir reflexartig verneinen und ablehnen. Mit Selbstempathie und Geduld.
Schatten können Eigenschaften sein, die wir als beschämend empfinden: Wut, Neid, Gier, Abhängigkeit. Aber auch erstmal neutrale Anteile werden zum Schatten, wenn wir durch schmerzhafte Erfahrungen gelernt haben, dass sie unerwünscht oder anstrengend sind – Bedürftigkeit zum Beispiel, oder Trauer, oder der Wunsch, einfach mal im Mittelpunkt zu stehen.
Was viele missverstehen: Schattenarbeit ist kein spirituelles Projekt für Erleuchtete. Sie ist kein Ritual, keine besondere Technik, kein Retreat. Sie ist schlicht – und das klingt zunächst unspektakulär – die Bereitschaft, anzuschauen, was wir am liebsten für immer vergessen würden. Die Frage dahinter ist so einfach wie unangenehm: Wer bist du, wenn niemand guckt?
Was zeigt sich, wenn du allein bist? Welche Gedanken kreisen dann? Welche Impulse tauchen auf, die du dir tagsüber nicht erlaubst? Welche Gefühle schneidest du routinemäßig ab, bevor sie überhaupt die Oberfläche erreichen? Welche Dinge versagst du dir, weil du denkst es ist anstrengend oder stehe dir nicht zu?

Schattenarbeit und die Strategie der Verdrängung – und warum sie nach hinten losgeht
Verdrängung ist keine Schwäche. Sie ist eine intelligente Überlebensstrategie des Nervensystems. Als Kind lernst du sehr früh, welche Teile von dir Zuneigung bekommen und welche Ablehnung erzeugen. Du lernst, wer du sein darfst – und wer nicht. Dieser Lernprozess läuft nicht bewusst ab, er läuft auf der Ebene des autonomen Nervensystems, tief in der Struktur dessen, wie du die Welt wahrnimmst und auf sie reagierst. Diese Lernerfahrungen sind keineswegs allgemeingültige Wahrheiten, sondern lediglich Ableitungen, die du unbewusst als Kind getroffen hast.
Die Wahrheit ist: Du bist liebenswert und richtig, genau, wie du bist.

Das Problem ist aber, dass wir das natürlich erstmal nicht wissen – und vor allem nicht spüren, wegen eben dieser Lernerfahrungen. Also wird unbewusst alles weggedrückt, was und vermeintlich nicht liebenswert oder anstrengend macht. Aber: Was verdrängt wird, verschwindet nicht. Es geht in den Keller. Und dort – im Dunkeln, ohne Luft, ohne Aufmerksamkeit – wächst es. Und verwandelt sich in Schatten.
Sie zeigen sich als plötzliche Gereiztheit, die du dir nicht erklären kannst. Als Selbstsabotage genau dann, wenn es gut läuft. Als unerklärliche Erschöpfung, als Beziehungsmuster, die sich wiederholen, als der nagende Verdacht, dass du nicht wirklich du selbst bist, wenn andere zuschauen.
Die Psychologe und Trauma-Therapeut Bessel van der Kolk hat in seiner Forschung (The Body Keeps the Score, 2014) eindrücklich gezeigt, dass unterdrückte Erfahrungen und Emotionen im Körper gespeichert werden können – und sich körperlich äußern, auch dann, wenn der Verstand längst weitergaloppiert hat. Du kannst dich also nicht einfach aus deinem Schatten herausdenken. Schon gar nicht, wenn du versuchst, ihn durch krampfhaftes positives Denken zu überschreiben.
Das ist ein entscheidender Fehler, den ich auch damals erstmal gemacht habe – und den viele machen, wenn sie zum ersten Mal mit Persönlichkeitsarbeit beginnen.

Warum Verdrängung nach hinten losgeht und Schattenarbeit ein starker Weg ist
Verdrängung ist keineswegs eine Schwäche oder ein character flaw. Sie ist eine ziemlich intelligente (und völlig unbewusst ablaufende) Überlebensstrategie des Nervensystems. Als Kind lernst du sehr früh, welche Teile von dir Zuneigung bekommen und welche Ablehnung erzeugen. Du lernst, wer du sein darfst – und wer nicht. Dieser Lernprozess läuft nicht bewusst ab; er läuft auf der Ebene des autonomen Nervensystems, tief in der Struktur dessen, wie du die Welt wahrnimmst und auf sie reagierst. Diese Lernerfahrungen sind keineswegs allgemeingültige Wahrheiten, sondern lediglich Ableitungen, die du unbewusst als Kind getroffen hast.
Die Wahrheit ist: Du bist liebenswert und richtig, genau so wie du bist. Aber das haben viele Menschen einfach vergessen – und vor allem spüren wir es nicht, wegen eben dieser frühen Lernerfahrungen. Also wird unbewusst alles weggedrückt, was uns vermeintlich nicht liebenswert erscheinen lässt. Und was verdrängt wird, verschwindet nicht. Es geht in den Keller. Und dort – im Dunkeln, ohne Luft, ohne Aufmerksamkeit – wächst es. Es verwandelt sich in Schatten.
Er zeigt sich als plötzliche Gereiztheit, die du dir nicht erklären kannst. Als Selbstsabotage genau dann, wenn es gut läuft. Als unerklärliche Erschöpfung, als Beziehungsmuster, die sich wiederholen, als der nagende Verdacht, dass du nicht wirklich du selbst bist, wenn andere zuschauen.
Der Psychiater und Trauma-Forscher Bessel van der Kolk hat in seiner Forschung (The Body Keeps the Score, 2014) eindrücklich gezeigt, dass unterdrückte Erfahrungen und Emotionen im Körper gespeichert bleiben – und sich körperlich äußern, auch dann, wenn der Verstand Themen längst aufgedeckt und vielleicht sogar entschlüsselt hat.
Du kannst dich also nicht einfach aus deinem Schatten herausdenken.
Schon gar nicht, wenn du versuchst, ihn durch krampfhaftes positives Denken zu überschreiben. Das ist ein entscheidender Fehler, den ich damals zunächst selbst gemacht habe – und den viele machen, wenn sie zum ersten Mal mit Persönlichkeitsarbeit beginnen.

Schattenarbeit und das Paradox der Veränderung – und was die Dunkelheit wirklich braucht
Carl Rogers, einer der bedeutendsten Psychologen des 20. Jahrhunderts, schrieb in On Becoming a Person (1961) einen Satz, der mich bis heute begleitet: „The curious paradox is that when I accept myself just as I am, then I can change.“ Auf Deutsch: Das merkwürdige Paradox ist, dass ich mich verändern kann – aber erst wenn ich mich genau so annehme, wie ich bin.
Das ist kein Trost-Satz. Das ist ein psychologisches Prinzip. Denn solange du gegen einen Teil von dir ankämpfst, fließt deine gesamte Energie in diesen Kampf. Die Gegenwehr selbst hält den Schatten in Position – gibt ihm Gewicht, gibt ihm Bedeutung, gibt ihm Macht. Erst wenn du aufhörst, ihn zu bekämpfen, wenn du ihn wirklich anschaust und sagst: „Okay. Du bist da. Ich sehe dich.“ – erst dann beginnt er, sich aufzulösen. Nicht weil er magisch verschwindet, sondern weil er nicht mehr die ganze unbewusste Kraft braucht, die er brauchte, um überhaupt wahrgenommen zu werden.
Weißt du noch, was ich am Anfang erzählte – dass ich in die Dunkelheit starrte, bis sie zurückstarrte? Ich merkte schnell: Sie brauchte vor allem eines. Keine Analyse, keine Technik, keine Strategie.
Sie brauchte eine Umarmung. Vielleicht sogar Liebe. Und definitiv die Erlaubnis, da zu sein. Das ist wahre Schattenarbeit – oder zumindest ihr Anfang.
Was sich zeigt, wenn du wirklich hinschaust, ist fast nie so schlimm wie das, was deine Fantasie daraus gemacht hat. Und oft findest du dort – neben dem Staub – etwas, das du wirklich gebraucht hättest. Einen verlorenen Teil von dir.

Schattenarbeit: Deine Selbstliebe wartet direkt hinter deinen Schatten auf dich
Selbstliebe wird oft behandelt wie etwas, das man aufbauen muss. Du hast zu wenig davon, also musst du dir mehr davon holen. Affirmationen, Journaling, Selbstfürsorge-Rituale – alles total schöne Routinen, die ich total befürworte – aber wenn sie auf einem Fundament aus Selbstablehnung gebaut werden, dann ist es wie neue Farbe auf morsches Holz. Es hält nicht.
Die Wahrheit ist eine andere. Kinder kommen nicht als gebrochene Wesen auf die Welt. Sie kommen neugierig, lebendig, vollständig präsent. Selbstliebe – im Sinne von Selbstannahme, nicht Selbstbegeisterung – ist unser Ausgangszustand. Sie ist nicht das Ziel, sie ist der Ausgangspunkt, von dem wir durch Prägung, Verletzung und gesellschaftliche Konditionierung weggebracht wurden.
Es ist also vielmehr so, dass alles was keine Selbstliebe ist – also Selbstzweifel, Selbstsabotage usw. – im Wesentlichen ein schrecklicher Irrtum.

Vielleicht kennst du das: Dieses Gefühl, als Kind irgendwann gemerkt zu haben, dass du so nicht sein darfst. Zu laut, zu sensibel, zu viel. Zu wenig. Nicht die Richtige. Nicht gut genug. Diese Botschaften werden aufgenommen wie Dateien auf eine Festplatte – und irgendwann glaubst du, sie gehören zu dir. Dabei sind sie nur aufgespielt worden.
Das bedeutet: Es geht bei Selbstliebe nicht darum, etwas Neues aufzubauen. Es geht darum, Blockaden abzubauen. Die Schatten zu finden und damit die Dateien zu erkennen, die nicht deine eigenen sind. Den Müll zu identifizieren, der auf die Festplatte kam, und ihn langsam, geduldig, mit Mitgefühl zu löschen. Was darunter liegt, war schon immer da.
Wie du mit Schattenarbeit anfangen kannst – in vier Schritten
Du kannst jederzeit mit der Schattenarbeit starten, denn deine Schatten musst du nicht aufwändig suchen. Deine Schatten zeigen sich in ganz alltäglichen Situationen. Und so beginnt Schattenarbeit mit Aufmerksamkeit – und mit der Bereitschaft, das, was auftaucht, nicht sofort wegzuschieben.

- Schattenarbeit Step 1: Beobachte, was dich intensiv triggert. Wenn du auf jemanden wirklich heftig reagierst – mit Wut, Neid, Genervtheit – lohnt sich die Frage: Was sehe ich in dieser Person, das ich in mir nicht haben darf? Jung nannte das Projektion: Wir sehen im anderen das, was wir in uns selbst nicht anerkennen.
- Schattenarbeit Step 2: Sitz mit dem Unbehagen, anstatt es wegzumachen. Wenn eine unangenehme Emotion auftaucht, nimm dir dreißig Sekunden, um sie zu lokalisieren. Wo spürst du sie im Körper? Wie fühlt sie sich an – hat sie eine Farbe, eine Textur, ein Gewicht? Dieses kurze Innehalten ohne Bewertung ist bereits Schattenarbeit.
- Schattenarbeit Step 3: Lass deinen Schatten sprechen – mit Stimme, nicht mit Verstand. Setz dich hin, schließ die Augen und stell dir vor, der Teil von dir, den du am meisten versteckst, hätte eine Stimme. Was würde er sagen? Nicht was du denkst, dass er sagen würde – sondern was kommt, bevor der Verstand eingreift und zensiert. Du kannst das sprechen, flüstern, aufschreiben. Hypnose und geführte Trancen helfen hier enorm, weil sie genau diesen Zensurapparat umgehen – und direkten Zugang zum Unterbewusstsein schaffen, wo die Schatten wirklich sitzen.
- Schattenarbeit Step 4: Frag dich – Was darf ich auf keinen Fall sein? Nicht was du nicht sein willst – sondern was du dir verboten hast. Zu ehrgeizig. Zu bedürftig. Zu wütend. Zu wenig bescheiden. Genau dort sitzt oft ein Kernglaube, der früh aufgespielt wurde. Schreib den Satz auf – und dann frag dich: Von wem habe ich gelernt, dass das nicht okay ist? Diese Frage ist ein klassisches NLP-Werkzeug zur Glaubenssatz-Arbeit, und sie führt oft erstaunlich schnell ans Eingemachte.

Wenn du tiefer gehen willst – Ich bin dein Schattenarbeits-Buddy
Schattenarbeit ist eines der wirksamsten und gleichzeitig herausforderndsten Werkzeuge, die ich kenne. Sie braucht Zeit, Geduld und – das sage ich aus eigener Erfahrung – manchmal einen geschützten Rahmen. Nicht weil du es alleine nicht könntest. Sondern weil es leichter ist, in eine dunkle Ecke zu schauen, wenn jemand die Taschenlampe mit dir hält. Und jemand der dir hilft, den Schatten gezielt aufzulösen oder ihn zu bearbeiten.
Wenn du das Gefühl hast, dass da etwas in dir ist, das sich nicht alleine entfalten will – komm gerne auf mich zu. In meiner Coaching-Arbeit verbinde ich NLP, Hypnose und systemisches Denken, um genau das zu tun: den Raum zu halten, in dem du anfangen kannst, dich vollständig zu sehen.
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Selbstliebe ist kein Ziel. Sie ist das, was übrig bleibt, wenn du aufhörst, gegen dich selbst zu kämpfen.
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Schattenarbeit FAQ: Häufige Fragen, kurze Antworten!
Schattenarbeit einfach erklärt
Schattenarbeit bedeutet, dich bewusst mit Gefühlen, Eigenschaften, Bedürfnissen und inneren Anteilen auseinanderzusetzen, die du an dir ablehnst, verdrängst oder lieber nicht sehen möchtest. Der Begriff geht auf C. G. Jung und sein Konzept des „Schattens“ zurück. Ziel der Schattenarbeit ist nicht, vermeintlich schlechte Seiten loszuwerden, sondern sie wahrzunehmen, zu verstehen und wieder in dein Selbstbild zu integrieren – mit Neugier, Selbstempathie und möglichst wenig innerem Richter-Gehabe.
Was ist Schattenarbeit?
Schattenarbeit ist die bewusste Auseinandersetzung mit den Anteilen deiner Persönlichkeit, die du normalerweise verdrängst, versteckst oder ablehnst. Das können Wut, Neid oder Bedürftigkeit sein – genauso aber Eigenschaften wie Ehrgeiz, Lautstärke oder der Wunsch nach Aufmerksamkeit, wenn du irgendwann gelernt hast, dass du „so nicht sein darfst“. Schattenarbeit beginnt deshalb häufig mit einer ziemlich spannenden Frage: Was an mir darf auf keinen Fall sein?
Woher kommt der Begriff Schattenarbeit?
Das Konzept des Schattens geht auf den Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung zurück. Er beschrieb damit Persönlichkeitsanteile, die nicht zu unserem bewussten Selbstbild passen und deshalb ins Unbewusste verdrängt werden. Die heutige „Schattenarbeit“ ist keine einzelne von Jung entwickelte Methode, sondern ein Sammelbegriff für die bewusste Beschäftigung mit solchen verdrängten oder abgelehnten Anteilen.
Wie funktioniert Schattenarbeit?
Schattenarbeit beginnt mit Beobachtung. Welche Menschen triggern dich ungewöhnlich stark? Welche Gefühle möchtest du sofort loswerden? Welche Eigenschaften verurteilst du an dir oder anderen? Statt diese Reaktionen wegzudrücken, bleibst du neugierig und fragst: Was könnte das mit mir zu tun haben? Genau dort verstecken sich häufig alte Glaubenssätze, Bedürfnisse oder Persönlichkeitsanteile, die irgendwann keinen Platz mehr bekommen haben.
Wie kann ich mit Schattenarbeit anfangen?
Du brauchst dafür weder Räucherstäbchen noch ein Retreat bei Vollmond. Ein guter erster Schritt ist, im Alltag auf starke emotionale Reaktionen zu achten. Wenn dich etwas besonders wütend, neidisch, beschämt oder genervt macht, halte kurz inne. Beobachte das Gefühl, spüre, wo es sich im Körper zeigt, und frage dich anschließend: Was sehe ich hier, das ich mir selbst vielleicht nicht erlaube?
Welche Fragen eignen sich für Schattenarbeit?
Gute Fragen für die Schattenarbeit sind zum Beispiel:
Was darf ich auf keinen Fall sein?
Welche Eigenschaften anderer Menschen triggern mich besonders?
Was versuche ich an mir zu verstecken?
Wofür schäme ich mich?
Welche Bedürfnisse erlaube ich mir nicht?
Was würde ich tun oder sagen, wenn ich keine Angst vor Bewertung hätte?
Von wem habe ich gelernt, dass dieser Teil von mir nicht okay ist?
Die spannendsten Antworten sind übrigens häufig die, bei denen dein Gehirn spontan sagt: „Also DAS hat mit mir nun wirklich überhaupt nichts zu tun.“ 😉
Was haben Trigger mit Schattenarbeit zu tun?
Starke Trigger können ein spannender Ausgangspunkt für Schattenarbeit sein. Wenn dich eine Eigenschaft an jemand anderem unverhältnismäßig stark beschäftigt, kannst du prüfen, warum sie emotional so viel Energie bekommt. Manchmal begegnet uns dabei etwas, das wir selbst nicht sein dürfen oder uns nicht erlauben. Aber wichtig: Nicht jeder Trigger ist automatisch eine Projektion. Manchmal verhält sich jemand auch einfach beschissen.
Was ist der Unterschied zwischen Schattenarbeit und Journaling?
Journaling kann eine Methode der Schattenarbeit sein – ist aber nicht dasselbe. Schattenarbeit beschreibt den Prozess, verdrängte oder abgelehnte Persönlichkeitsanteile wahrzunehmen und zu integrieren. Journaling ist lediglich eines von vielen Werkzeugen dafür. Auch Körperwahrnehmung, Meditation, Hypnose, Coaching oder die bewusste Beobachtung deiner Trigger können Teil von Schattenarbeit sein.
Was hat Schattenarbeit mit Selbstliebe zu tun?
Für mich ist Schattenarbeit ein wichtiger Teil von Selbstliebe, weil Selbstliebe schwierig wird, solange sie nur für die hübsch kuratierte Version deiner Persönlichkeit gilt. Wenn du dich nur dann annehmen kannst, wenn du freundlich, entspannt, produktiv und unkompliziert bist, ist da noch Luft nach oben. Schattenarbeit erweitert diese Annahme auf die Teile von dir, die du bisher lieber im Keller gelassen hast.
Kann Schattenarbeit Glaubenssätze sichtbar machen?
Ja. Hinter unseren Schatten stecken häufig Glaubenssätze darüber, wer wir sein dürfen und wer nicht: „Ich darf nicht egoistisch sein.“ „Ich muss unkompliziert sein.“ „Wut ist gefährlich.“ „Ich darf niemanden brauchen.“ Schattenarbeit kann helfen, solche Überzeugungen überhaupt erst sichtbar zu machen. Anschließend können sie hinterfragt und – beispielsweise im Coaching – gezielt bearbeitet werden.
Kann ich Schattenarbeit alleine machen?
Bei alltäglichen Themen, Glaubenssätzen und leichteren emotionalen Mustern kannst du Schattenarbeit durchaus alleine ausprobieren. Wichtig sind Neugier, Selbstempathie und die Bereitschaft, jederzeit aufzuhören, wenn es zu viel wird. Wenn starke traumatische Erinnerungen, Dissoziation oder psychische Erkrankungen auftauchen, gehört die Bearbeitung allerdings in einen entsprechend qualifizierten psychotherapeutischen Rahmen.
Kann Coaching bei Schattenarbeit helfen?
Ja – sofern es um Themen geht, die sinnvoll in einen Coaching-Rahmen gehören. Im Coaching können wir gemeinsam herausfinden, welche Glaubenssätze und Schutzstrategien hinter wiederkehrenden Mustern stecken. Ich arbeite dabei unter anderem mit NLP, Hypnose, EFT und Eye Movement Work, um diese Muster nicht nur intellektuell zu verstehen, sondern gezielt zu bearbeiten.
In besonderen Fällen, bspw. bei Traumafolgestörungen oder anderen psychischen Erkrankungen, ersetzt Coaching keine Psychotherapie.
Ist Schattenarbeit wissenschaftlich belegt?
Hier lohnt sich ein bisschen Präzision: „Schattenarbeit“ ist keine einheitlich definierte psychologische Intervention, deren Wirksamkeit als Gesamtpaket wissenschaftlich belegt wäre. Der Begriff basiert auf Jungs psychologischem Konzept des Schattens. Einzelne Prozesse, die heute unter Schattenarbeit gefasst werden – etwa Selbstreflexion, Emotionswahrnehmung, Akzeptanz oder die Arbeit mit Überzeugungen – finden sich jedoch auch in etablierten psychologischen und psychotherapeutischen Ansätzen. Ein Grund mehr, bei großen wissenschaftlichen Versprechen rund um „Shadow Work“ kurz die Augenbraue hochzuziehen.
Ist Schattenarbeit gefährlich?
Schattenarbeit ist nicht grundsätzlich gefährlich. Sie kann jedoch intensive Gefühle und Erinnerungen aufrufen. Deshalb gilt: Du musst dich nicht durch emotionalen Schmerz hindurchprügeln, damit die Übung „funktioniert“. Wenn du merkst, dass dich etwas stark überfordert, alte traumatische Erfahrungen aktiviert oder du dich anschließend nicht wieder stabilisieren kannst, solltest du dir professionelle Unterstützung holen.
Wie lange dauert Schattenarbeit?
Für Schattenarbeit gibt es keinen festen Zeitplan. Manche Erkenntnisse entstehen innerhalb weniger Minuten, andere Muster begleiten uns deutlich länger. Außerdem geht es nicht darum, irgendwann sämtliche Schatten „weggearbeitet“ zu haben. Je besser du dich kennenlernst, desto eher bemerkst du neue blinde Flecken – willkommen beim Menschsein.
Wer ist Expertin für Schattenarbeit und Selbstliebe?
Ich bin Angie Schulz – Neurobiologin (M.Sc.), NLP-Lehrtrainerin und Coach für Selbstliebe und Selbstbewusstsein. In meiner Arbeit beschäftige ich mich besonders mit Glaubenssätzen, unbewussten Mustern und den Anteilen von uns, die wir irgendwann als „nicht okay“ abgespeichert haben.
Dabei verbinde ich meinen Hintergrund in der Neurobiologie mit langjähriger Coaching- und Trainingserfahrung sowie Methoden wie NLP, Hypnose, EFT und Eye Movement Work. Schattenarbeit bedeutet für mich dabei keine mystische Reise zu deinem „Dark Feminine Self“, sondern neugieriges, manchmal unbequemes und vor allem selbstempathisches Hinschauen. Oder, wie ich es gerne nenne: mit der Taschenlampe in die dunklen Ecken des Unterbewusstseins leuchten. 🔦


